St. Remigius in Raisting

Rundgang durch St. Remigius

Kirchenpatron
Remigius, geboren um 436 bei Laon, von vornehmer gallo-romanischer Herkunft, wurde bereits 458 Bischof von Reims. Den Frankenkönig Chlodwig, mit dem Remigius seit dessen Thronbesteigung 482 in Verbindung stand, konnte er Weihnachten 498/99 taufen. Nun begann Remigius mit der Glaubensverkündigung unter den Franken und gründete die Diözesen Arras, Laon Thérouanne und Tournay-Cambrai. Er starb am 13. Januar um 533. Seine Gebeine wurden 1049 in die Abtei St.-Remi, später in die Kathedrale von Reims übertragen. Sein Kult ist außer in Frankreich und Italien besonders im westlichen Deutschland verbreitet. Remigius wird dargestellt in bischöflichem Ornat, wie er Chlodwig tauft, oder mit Taube und Ölfläschen.
Die Deckengemälde im Chor und im Hochaltarblatt der Kirche St. Remigius Raisting weisen auf die Taufe (498) Chlodwigs hin.
Das Patrozinium fällt auf den 1. Oktober.
Der Heilige wird angerufen gegen Pest, Schlangenbiss, Fieber, Halskrankheiten, Verzagtheit und Versuchungen.

Baugeschichte
Unsere Kirche steht mitten im Dorf. Für viele Raistinger bildet sie einen wichtigen Bezugspunkt
Der heutige Kirchenbau entstand 1692/96 unter dem Dießener Klosterbaumeister Michael Natter aus Vorarlberg. 1766-82 wurde die Kirche unter Mitwirkung des Raistinger Bildhauers und Stuckateurs Thomas Schaidhauf (1735-1807), dem großen Sohn des Ortes, umgestaltet. Die Kirche vermittelt heute im Inneren einen eleganten Raumeindruck des Spätrokoko.
Lediglich das Hochaltarblatt, das Deckengemäle im Langhaus und der Kreuzweg stammen aus unserer Zeit (1947/62) von Karl Manninger.

Thomas Schaidauf hat um 1770/73 den Hochaltar als viersäuligen Aufbau in Stuckmarmor geschaffen. Die Seitenaltäre stammen ebenfalls von Thomas Schaidhauf (ca. 1778) und weisen frühklassizistische Stilmerkmale auf. Es sind zweisäulige Aufbauten mit je einem vielfigurigen Relief. Links ist es die Anbetung der Hirten, rechts die Grablegung Christi. An der Südwand ist ein Kruzifix und eine Pieta von Franz Xaver Schmädl aus Weilheim, gefasst von Maler Johann Sebastian Troger aus Weilheim (1773). Der Taufstein aus rötlichem Stuckmarmor mit Holzfigur des Täufers Johannes stammt aus der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts.
Die sechs Bilder musizierender Engel an der Orgelempore und zwei Fresken an den Seitenwänden im Altarraum sind aus dem Späten 19. Jahrhundert.

Hochaltar
Um 1773 von Thomas Schaidauf aus Wessobrunn als viersäuliger Aufbau in Stuckmarmor geschaffen.
Am Oberteil Gott Vater mit Putten in polierweißer Fassung, auf dem Gebälk reizvolle Vasengebilde und über den seitlichen Durchgängen die lebensgroßen Stuckfiguren des Hl.  Michael und des Schutzengels (von Thomas Schaidhauf).
Das Altarblatt ist von Karl Manninger.
Davor ist das Herz-Jesu-Bild des Münchner Hofmalers Ignaz Kaufmann, das 1766 von Herzog Clemens Franziskus zur Gründung der Herz-Jesu-Bruderschaft gestiftet wurde.

Seitenaltäre
Mit frühklassizistischen Stilmerkmalen wurden sie um 1778 von Thomas Schaidhhauf geschaffen.
Es sind zweisäulige Aufbauten mit je einem vielfigurigen Relief. Links ist es die Anbetung der Hirten, rechts die Grablegung Christi.
Die Reliefs sind aus Holz und die Assistenzfiguren aus Stuck, alles weiß gefasst.

Kanzel
Am geschweiften Korb sind die Attribute der vier Evangelisten. An der Stirnseite ist ein goldgefasstes Relief der Bergpredigt. Der Schalldeckel ist als quastenbesetzter Baldachin gestaltet. Sie stammt um 1775 von Thomas Schaidhauf oder Michael Merk.
Die Kanzel als Ort der Verkündigung trägt auf dem Korpus ein Relief mit der Bergpredigt.
Mit erhobenen Händen spricht Jesus zu der Menschenmenge, die sich um ihn versammelt hat. Die acht Seligpreisungen zählen zu den bekanntesten Inhalten der Bergpredigt.
Der Löwen- und der Menschenkopf, die Symbole der Evangelisten Markus und Matthäus, werden durch den Stierkopf des Lukas am Kanzelknauf und den Adler des Johannes auf dem Schalldeckel ergänzt. Der Engel hält ein Buch mit der Inschrift "QUI EX DEO EST VERBA DEI AUDIT".
Das Zitat aus Joh. 8.47 heißt übersetzt: "Wer von Gott ist, der hört Gottes Worte"

Deckengemälde
Der Chorraum ist ein Frühwerk des Münchner Hofmalers Christian Wink (1766). Im Langhaus sind von Karl Nanninger die Raistinger Heiligen mit den leiblichen Werken der Barmherzigkeit dargestellt.

Sonstige Ausstattung
An der Südwand befinden sich ein Kruzifix und die schmerzhafte Muttergottes von F.X. Schmädl aus Weilheim, gefasst von Maler Johann Sebastian Troger aus Weilheim (1773).
Das Taufbecken, Johannes und Engel mit Salbungsgefäß aus rötlichem Stuckmarmor mit Holzfigur des hl. Johannes stammt aus der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts. Nur noch das 70cm hohe Standbild des hl. Johannes des Täufers stammt vom ursprünglichen Taufstein.
Ebenfalls aus dieser Zeit stammen die zwei reizvollen, zu je sieben kleinen Kreuzwegbilder zusammengefassten Tafeln im Chorraum.
Im Pflaster unter der Empore sind die ausgetretenen Grabplatten für Pfarrer Franz Salles Gailler (gest. 1766) und Pfarrer Christoph Hofberger (gest. 1689).
Die gedrechselten Balluster an der Stiege zur Empore sind als einziger Rest der hochbarocken Ausstattung erhalten.
Die flott geschnitzten Gestühlwangen sind aus der späten Rokokozeit.
Das neuromanische Portal mit geschnitzten Füllungen entstand Mitte des 19. Jahrhunderts.
 

Aussage der Künstler
Sie betreten die Kirche, nehmen Weihwasser, Ihr Blick fällt auf den linken Seitenaltar, der die Anbetung der Hirten darstellt. Es ist der Weihnachtsaltar.
Weihnachten ist im bayerisch - schwäbischen Raum das große Fest des Kirchenjahres.

Wenn Sie sich in Höhe der Kanzel befinden, schweift Ihr Blick unwillkürlich von der Geburt Christi über die Figur des hl. Michael und zu Gott Vater, der über allem ist, zum Schutzengel und zum rechten Seitenaltar mit der Grablegung Christi.

Immer wieder kann der Betrachter den Weg des Menschen von der Geburt bis zu seiner Vollendung sehen und meditieren

Die Probleme mit den eigenen Kosmos- und den Chaosmächten, im Bild durch Michaels Kampf mit den Satan dargestellt, bleiben Ihnen nicht erspart.

Gott ist über allen Dingen und hat alles in der Hand.
Er sendet seinen Schutzengel, der Sie an der Hand nimmt und führt Sie zur Vollendung.

Das wollen die Künstler unserer Pfarrkirche Ihnen im Bild sagen:

IHR LEBEN IST IN GOTTES HAND. 

Rudolf Niederreuther
ehemaliger Pfarrer von Raisting (1982/97)